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Die Schmökerkiste "on tour" – Würzburg. Was hat ein Bauwagen mit Büchern zu tun? Im letzten Oktober startete das Projekt „Schmökerkiste“ des Fördervereins Wärmestube. Nun geht es in eine neue Runde.

„Mit Leuten ins Gespräch zu kommen gefällt mir besonders gut“ so ein Wohnungsloser, auf die Frage nach dem Grund seiner Mitarbeit bei der „Schmökerkiste“, einem Projekt in einem bunt bemalten Bauwagen, bei dem antiquarische Bücher für wenig Geld von Wohnungslosen verkauft oder gegen eine Spende weitergegeben werden. „Ich finde es toll, dass ich hier meine Bücher abgeben und damit anderen Menschen eine Freude machen kann“ strahlte eine Besucherin.

Der Förderverein Wärmestube e. V., als kooperatives Mitglied dem Caritasverband für die Diözese Würzburg e.V. angegliedert, ist Trägerorganisation des Projektes.

Während sich eine Besucherin im Bauwagen umschaut äußert sie begeistert, sie kenne das Projekt aus anderen Städten und fände es toll, dass es nun auch in Würzburg angeboten werde. In Nürnberg besteht seit fast zehn Jahren ein ähnliches Projekt. Dort steht dauerhaft ein Bücherwagen in der Fußgängerzone.

Die „Schmökerkiste“ zielt darauf ab, wohnungslosen Menschen eine Beschäftigung zu bieten und beim Aufbau ihres Tagesablaufes zu helfen, da ihnen Strukturen und Regelmäßigkeiten fehlen und sie dadurch kaum Chancen haben, eine Arbeit zu finden. Auch treten sie dadurch mit Menschen außerhalb ihres gewohnten Umfeldes in Kontakt, denn durch viele Jahre auf der Straße sind die sozialen Bezüge oftmals weggebrochen. Somit können Vorurteile gegenüber Wohnungslosen abgebaut werden. „Durch den Bücherverkauf kann der Umgang mit Geld erlernt werden“ merkt Nicole Erbacher an, die in ihrer Bachelorarbeit ein Konzept für das Bauwagenprojekt ausgearbeitet hat und dies nun hauptamtlich leitet. „Auch lernen die dort Mitarbeitenden Zuverlässigkeit“ fügt sie hinzu. „Durch die Übertragung von Aufgaben erfahren wohnungslose Menschen gebraucht zu werden und können ihrem Leben somit wieder einen Sinn geben.“

„Aufmerksam auf das Projekt bin ich in der Wärmestube geworden“, erinnert sich ein Bücherverkäufer und betont „Wir haben für jeden etwas dabei.“ Die Bücherauswahl reicht von Romanen, Thrillern, Kinder- und Jugendbücher bis hin zu Reise- und Kochbüchern. Mit einer feierlichen Segnung durch Dekanin Dr. Edda Weise und Pfarrer Werner Vollmuth startete das Projekt am 11. Oktober 2013. Zur Eröffnung waren neben weiteren Gästen Schirmherr Robert Scheller, Leiter des Jugend-, Familien- und Sozialreferats der Stadt Würzburg und Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder als 1. Vorsitzender des Fördervereins Wärmestube anwesend.

Von Beginn an war es wichtig gewesen, das Projekt nicht für sondern mit wohnungslosen Menschen anzugehen, um sie von Grund auf mit einzubeziehen. Anfangs stand der Würzburger-Bauwagen im Rathaushof in der Rückermainstraße. Nun zieht er von Platz zu Platz, letzte Standorte waren der Dominikanerplatz und der Marktplatz in Würzburg.

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