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Startsegen für die Schmökerkiste – Würzburg. „Schmökerkiste“, ein Projekt des Fördervereins Wärmestube, nimmt mit himmlischem Segen Fahrt auf. Menschen ohne Obdach werden in den kommenden Wochen und Monaten sich und ihre antiquarischen Bücher unters Volk bringen. Zum Start kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und Caritas und natürlich jene, die den „Laden“ am Laufen halten werden.

Auf dem Würzburger Rathausplatz steht er, eingehüllt in herbstlichen Nieselregen, umringt von Ehrengästen und Neugierigen: der inzwischen legendäre Bauwagen des Fördervereins Wärmestube. Generalsaniert bei „Don Bosco“ am Schottenanger und künstlerisch gestaltet von Studentinnen der Würzburger Fachhochschule, hat der rustikale Einachser nun eine neue Aufgabe. Er beherbergt Bücher aus zweiter Hand; ist ein Antiquariat auf Rädern. Wichtiger als die Literatur sei aber, so Bernhard Christof, Mitarbeiter der Caritas und 2. Vorsitzender des Vereins, dass wir mit dem Projekt Menschen ohne Obdach ein Angebot zu sinnvoller und strukturierter Beschäftigung machen. Sozialarbeiterin Nicole Erbacher betreut das Projekt und verrät, dass die Idee aus Nürnberg stamme, aber „anders als dort, wird sich unsere Schmökerkiste bewegen und an vielen attraktiven Orten anzutreffen sein.“ Erbacher hatte in ihrer Abschlussarbeit an der Fachhochschule das Konzept für das Bauwagenprojekt erstellt und freut sich nun, die Theorie in die Praxis umsetzen zu dürfen.

Dekanin Dr. Edda Weise und Pfarrer Werner Vollmuth erteilten dem Projekt den Segen, damit es selbst ein Segen für alle Beteiligten werde. Gemeinsam übergaben sie ein schlichtes Holzkreuz an Projektleiterin Nicole Erbacher. Es wird seinen Platz im Bauwagen finden. Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder, 1. Vorsitzender des Fördervereins, begrüßte die anwesenden Gäste: „Die Stadt Frankfurt hat seit vergangenen Mittwoch ihre Buchmesse; Würzburg seit heute eine Schmökerkiste“. Lehrieder betonte die große Freude des Vereins darüber, Robert Scheller – Leiter des Jugend-, Familien- und Sozialreferates der Stadt Würzburg – als Schirmherren gewonnen zu haben und dankte allen, die im Hintergrund die wichtige Arbeit getan hätten. „Ich halte hier nur die Rede, die Vorbereitungen für das Projekt lagen in den Händen anderer.“ Ausdrücklich würdigte Lehrieder das herausragende Engagement, mit dem sich Bernhard Christof dieses Projektes angenommen habe. Ebenso dankte er der WVV, den Würzburger Versorgungs- und Verkehrsbetrieben. „Vorstand Thomas Schäfer und Bereichsleiter Friedhelm Sodenkamp konnte heute leider nicht ans Rathaus kommen, haben dem Projekt dafür aber 1.000 Euro gespendet.“

Robert Scheller unterstrich, dass bereits mit der Auswahl des ersten Standortes für die Schmökerkiste auf dem Ehrenhof am Rathaus die Verbundenheit mit der Stadt zum Ausdruck komme. Er wünschte dem fahrenden Antiquariat viele neugierige Besucher und sicherte zu, selbst auch einmal in der Mittagspause vorbeizuschauen. „Mögen viele Würzburgerinnen und Würzburger in die Kiste gehen“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Nicole Erbacher gab eine kurze Einführung in die Anliegen des Projektes. Mit ihm sollen vor allem Besucherinnen und Besucher der Wärmestube und der Bahnhofsmission erreicht werden, die eine Tagesstruktur und den Kontakt zu Menschen suchten. „Auch der Umgang mit Geld kann in der Schmökerkiste erlernt werden“. Von Anfang an sei es wichtig gewesen, das Projekt nicht für, sondern mit den obdachlosen Frauen und Männern anzugehen und weitere Menschen mit Unterstützungsbedarf bei den Vorbereitungen einzubinden.

Musikalisch umrahmt wurden ökumenische Segnung und Ansprachen vom Ensemble „Unterwegs“. Und während die Musik an diesem trüb-regnerischen Tag ein echter Lichtschein war, spendierte Norbert Schweizer vom Wirtshaus Bronnach, der sich seit vielen Jahren für die Wärmestube und ihre Menschen engagiert, in bewährter Weise eine deftige fränkische Suppe zum Aufwärmen.

Die Schmökerkiste ist bis zum Ende der Allerheiligenmesse am 10. November auf dem Rathausplatz zu finden und hat mittwochs, freitags und am Samstagvormittag geöffnet.

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