Würzburg, 24.12.2025. Für wohnsitz- und obdachlose Menschen hat Würzburgs Bischof Dr. Franz Jung auch in diesem Jahr an Heiligabend wieder eine Andacht gefeiert. Sie stand diesmal unter der Überschrift „Weihnachten am Straßenrand“ und fand auf dem Gehweg vor der Würzburger Wärmestube in der Rüdigerstraße statt. Über 75 Frauen und Männer, unter ihnen auch Ehrenamtliche und weitere Interessierte, waren zur Mittagszeit an die Wärmestube gekommen.
Untermalt von den weihnachtlichen Klängen der Laurentius Musikanten begann die Feier. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des die Feier ausrichtenden Fördervereins Wärmestube, Paul Lehrieder, dankte Bischof Jung, dass er sich alljährlich Zeit für die inzwischen zur Tradition gewordene Weihnachtsandacht nehme. Damit signalisiere der Bischof, dass auch die Gäste der Wärmestube zur Stadtgesellschaft gehörten.
Barbara Stehmann, die die Andacht mit vorbereitet hatte, sprach über den Begriff Straßenrand. Man könne äußerlich, aber auch innerlich am Rand stehen, sich nicht zugehörig fühlen, so die Religionspädagogin. Dazu brachten Besuchende der Wärmestube vor der am Gehweg aufgestellten Krippe Gedanken zu Ruhelosigkeit, Heimatlosigkeit und Anstrengung zum Ausdruck, etwa: „Manchmal habe ich das Gefühl nicht genug zu bekommen: Geld, Essen und vor allem Liebe.“
„Für Gott ist niemand verloren“
Anschließend trug die Leiterin der Würzburger Wärmestube, Andrea Dehler, das Weihnachtsevangelium (Lukas 2,1-20) vor und der Chor der Wärmestube, der die Feier ebenfalls musikalisch begleitete, sang das Lied „Stern über Bethlehem“. Bischof Jung betone im Hinblick auf das Evangelium, dass die Geburt Christi zuerst den Hirten, und nicht etwa den Königen, verkündet worden sei.
Christus habe als „guter Hirte“ von Anfang an die Menschen am Straßenrand gesucht und sie in die Mitte geholt. Als Beispiele nannte Jung den blinden Bartimäus und den Zöllner Zachäus. „Für Gott ist niemand verloren“, sagte er. Und ergänzte: „Weihnachten ist dann, wenn wir füreinander zu Hirtinnen und Hirten werden.“ So wie es etwa in der Wärmestube oder auch bei der Bahnhofsmission geschehe.
Stehmann machte danach deutlich: Der „frohen Botschaft können wir trauen“. Es benötige aber auch ein gewisse „Einübung im Alltag“. Gäste der Wärmestube hatten dazu Textkarten mit Wörtern vorbereitet – beispielsweise Trösten, Geben oder Miteinander – und legten sie vor der Krippe ab. Der Bischof sprach zum Ende der Andacht den Segen und sagte: „Bleiben Sie alle behütet in seinem weihnachtlichen Frieden“.
Das Herz am rechten Fleck
Jung dankte allen an der Vorbereitung der Feier Beteiligten. Sein besonderer Dank galt Bernhard Christof, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Wärmestube, der bis zu seinem Renteneintritt vor Kurzem beim Caritasverband für die Diözese Würzburg auch im Bereich Wohnungslosenhilfe tätig war. Christof trage „das Herz am rechten Fleck“, so der Bischof, der das wertvolle Engagement hervorhob.
Zum Ausklang der Feier – bei einer warmen Mahlzeit und Getränken in den Räumen der Wärmestube – verteilte Lehrieder mit dem Bischof noch die traditionellen Geschenkbeutel an die Anwesenden. Durch Spenden von Firmen und Privatleuten waren die mit viel Nützlichem, wie Duschgel, Socke oder Konserven, gefüllt. Und Plätzchen waren an Heiligabend natürlich auch enthalten.
Anna-Lena Herbert












